Bd 5: Christine Heil und Martina Weber (Hg.):
Normalitätsverschiebungen. Zwei angewandte Medienanalysen zu Geschlechterinszenierungen in Videoclips und Gewaltdarstellungen in Spielfilmen
103 S. 12,50 € (Tb) 2010
INHALT
Sebastian Knoll
Popkulturelle Geschlechterinszenierungen am Beispiel von ‚Visual kei‘
Thorsten Saager
Intensität in Gewaltdarstellungen im Spielfilm.
Eine medienanalytische und kunstpraktische Untersuchung
Vorwort
In diesem Band werden zwei Medienanalysen veröffentlicht, die neue und für einige Leserinnen und Leser vielleicht ungewöhnliche Blickweisen auf Videoclips und Spielfilme ermöglichen. Die beiden Autoren nutzen jeweils unterschiedliche Bezugskontexte und erfinden für Ihre Untersuchungen neue Vorgehensweisen des forschenden Verstehens von Medienprodukten.
Beide Studien sind Abschlussarbeiten des Studiengangs Bachelor der Vermittlungswissenschaften an der Universität Flensburg – Sebastian Knoll im Studienbereich Bildungswissenschaften, Thorsten Saager im Fach Kunst.
Inhaltlich geht es in beiden Analysen um den menschlichen Körper und den damit verbundenen Normalitätserwartungen an seine medialen Re-
präsentationen. Diese Erwartungen von Betrachterinnen und Betrachtern werden – so zeigen die Studien auf – permanent reproduziert und zugleich verschoben, sodass sie auch während der Lektüre der beiden Studien Eindeutigkeiten verlieren und in die Schwebe geraten: einmal im Kontext von Geschlechterdiskursen und das andere Mal in Hinblick auf die mediale Umsetzung violenter Inhalte in unterschiedlichen Filmgenres.
Die bildungswissenschaftliche Studie von Sebastian Knoll fragt nach Geschlechtsinszenierungen in der Popkultur und verknüpft sozialwissenschaftliche Theorie mit Medienanalyse. Fokussiert auf Videoclips des japanischen Künstlers Gackt werden Selbstinszenierungen der „Visual Kei“-
Szene untersucht, die vordergründig betrachtet binäre geschlechtliche Zu- ordnungen überschreiten. Der genaue Blick auf Details der Clips zeigt allerdings Widersprüchlichkeiten und offenbart in den queeren Inszenierungen eine subtile Logik, die dem System der Zweigeschlechtlichkeit verhaf-
tet bleibt und letztendlich Hegemoniale Männlichkeit reinszeniert.
Die zweite Medienanalyse wird durch eine subjektive Frage organisiert, die in einem konsequent selbstreflexiven Vorgehen ein Erkenntniswerkzeug generiert: "Welche Strategien werden verwendet, um in Spielfilmen mit violenten Inhalten Intensität zu erzeugen?" Die Strategien der Filmge- schichte mit ihren jeweiligen technischen Möglichkeiten und die Rolle von inhaltlicher sowie dargestellter Gewalt für die jeweiligen Filmgenres werden mit anderen Filmdimensionen wie Illusionsraum, Filmsyntax, Humor, Objektsymbolik oder Identifikation des Publikums verknüpft. Den roten Faden bildet keine umfassende Systematik, sondern die fragende und argumentierende Haltung des Autors. Schließlich wird ein medialer Sprung von der Filmanalyse in die Malerei vollzogen: die konzeptionelle Entscheidung für einen Filmstill wird malerisch umgesetzt und künstlerisch wie in den unterschiedlichen medialen Wirkungen analysiert. Insgesamt kann hier von einer Ästhetischen Forschung gesprochen werden, die neue Analyseperspektiven für das Medium Spielfilm erarbeitet.
Die beiden Herausgeberinnen haben in ihrem bisherigen wissenschaftlichen Austausch die Unterschiedlichkeit ihrer Standorte und Perspektiven bereits mehrfach als produktiv erfahren. Wenn sozialwissenschaftliches Interesse und Genderdiskurse mit Kontexten der Bildenden Kunst und der Kunstvermittlung zu tun bekommen, werden sowohl die Art und Weise des Zugangs zu sozialen und kulturellen Feldern wie die diskursiven Kontexte virulent. Hier spiegelt die Gleichzeitigkeit zweier studentischer Studien aus unterschiedlichen Kontexten die Produktivität dieser provozierten Schnittmengen und Kollisionen wieder.
Wir danken den beiden Autoren für die Bereitstellung der Manuskripte, die Mitarbeit an der erneuten Umsetzung und Thorsten Saager für die Gestaltung des Covers. Ohne das Layout und den Realisierungswillen von Susanne Schridde wäre das Buch nicht Wirklichkeit geworden.
Die Herausgeberinnen, Flensburg Januar 2010



