Herr Bent Angelo Jensen besuchte die Universität Flensburg am 24. Januar 2011 und hielt einen Vortrag:
Das Business? - „Echt heavy“.
Der Modeschöpfer Bent Angelo Jensen berichtet über sein Label „Herr von Eden“ vor Studierenden des Bachelor-Teilstudiengangs „Textil+Mode“ in der Universität Flensburg. Insbesondere im 5. Semester dieser Fachrichtung wird das ‚Betriebssystem Mode’ thematisiert.
Bent Angelo Jensen, der das Label „Herr von Eden“ (HvE) mit Filialen in Hamburg, Berlin und Köln führt, berichtete vor 50 Studierenden des Bachelor-Teilstudiengangs „Textil+Mode“ hautnah über das Modebusiness und seinen bisherigen Weg innerhalb der Modebranche. Er erörtert am Ende des Vortrags die Fragen der Studierenden zu den Produktionsabläufen, zum Designvorgang, zu Kreativität und Finanzierungskonzepten und schließlich wird auch die Problematik der Nachhaltigkeit in diesem System angesprochen. Die klassische Herrengarderobe jenseits des Massengeschmacks ist das Hauptthema des Modeschöpfers – die Inspirationen für seine Entwürfe stammen aus Jensens privater Perspektive, aus seinem unmittelbaren Alltag. Klassische Schnitte verschiedener Epochen werden durch ihn auf diese Weise ins Heute transferiert und interpretiert.
Bis seine ersten Anzug-Kreationen in den Schaufenstern seines Geschäftes platziert wurden, vergingen ca. elf Jahre in der Modebranche. Seine Leidenschaft für den Vintage-Bereich entdeckte der Modedesigner Bent Angelo Jensen schon im Alter von 14 Jahren. Damals ein Schüler der Flensburger Duborg Skolen interessierte er sich insbesondere für Hemden und Krawatten. Seine spätere Arbeit in einem Flensburger Second-Hand-Shop führte ihn zu einer eigenen Geschäftsidee, die er nach dem Abitur als 21-jähriger in Hamburg verwirklichte: Er entwickelte ein eigenes Konzept zur klassischen Herrengarderobe und vertrieb Vintage-Anzüge der Modepochen des letzten Jahrhunderts (20er bis 80er Jahre) in seinem eigenen Second-Hand-Shop. Doch neue Ziele kündigten sich an.
Jensen sagt von sich selbst, dass er es ohne Studium geschafft hat, seinen eigenen Traum zu verwirklichen: vom „Lumpenhändler“ zum Designer. Er hat es geschafft selbst in die Geheimnisse des Anzugschnitts vorzudringen, indem er Anzüge zerlegte und diese Schnitte studierte.
Auf dieser Grundlage entwickelte er in Zusammenarbeit mit seiner Schwester im Jahr 1999 die Idee für das Label „Herr von Eden“: Einen klassischen Herrenanzug nach seinen persönlichen Vorstellungen, den er in Breslau produzieren ließ. Im Dezember 1999 wurden die jeweils 20 weißen und schwarzen Anzüge geliefert, in seinem Laden ausgestellt und schnell an den Mann gebracht. „Der erste eigene Anzug – das ist wie das erste Mal kochen“, so der Designer.
Innerhalb von fünf Jahren schaffte es dann der Designer das Sortiment des Ladens zu Gunsten einer eigenen Kollektion auszutauschen und weitere Filialen in Berlin und Kopenhagen, später auch in Köln zu eröffnen. Mittlerweile gibt es auch eine eigene erste hochwertig produzierte Schuhkollektion, die auf der firmeneigenen Homepage präsentiert wird (www.herrvoneden.de).
Die Frage nach Stil und einem angemessenen mitmenschlichen Umgang bilden den nicht stoppenden Motor, der den Designer immer weiter antreibt: Kennzeichnend für Jensens Stil ist Eleganz und Zeitlosigkeit. Jedoch muss immer ein gewisser „Bruch“ vorhanden sein, der an das Jetzt anknüpft. Oft wurde der Designer nach der Bedeutung von „Herr von Eden“ gefragt und meint nichts anderes als ein Ausdruck für einen Gentleman. Diese Botschaft kommt an und hat das Potential bei seinen Kunden einen Suchtfaktor zu produzieren.
Zu seinen Kunden gehören u.a. die Hamburger Deichtorhallen, die ein Outfit für das Museumspersonal eigens anfertigen ließen, Künstler aus der Musikbranche wie z.B. Udo Lindenberg und Jan Delay. Auch die Kostüme für Theaterstücke wurden bei Jensen in Auftrag gegeben.
Doch nicht nur die Herren sind von der Marke „HvE“ fasziniert: Im Jahr 2004/2005 zeigte Jensen die erste Damenkollektion. Er blieb hierbei seinem Stil treu und übertrug die Herrenschnitte auf die Damenmode. Alle Entwürfe zeichnet der Designer, der noch nie auf einer Stoff- oder Modemesse war, von Hand und hat so persönliche Grundschnitte für die Kollektion entwickelt. Doch mit dem Geschäft des Designens allein ist es nicht getan.
„Die Positionierung des Labels ist besonders wichtig“, sagt Bent Angelo Jensen. Dies geschieht über Werbung, Kampagnen, medienwirksame Kunden wie z. B. die Sängerin Lady Gaga und nicht zuletzt die Persönlichkeit des Modeschöpfers. In diesem Bereich ist er mit einem kleinen Team besonders aktiv: 2010 gewann er den Preis für die beste Modekampagne. Seine aktuelle Kampagne ist „½ wild ½ child“, eine Fotoserie die im Westen der USA aufgenommen wurde.
Am Ende steht die Frage vieler Studierenden, ob sich der Versuch lohnt, seine eigenen Träume zu verwirklichen? Bent Jensen: „Auf jeden Fall, - aber nur sehr wenige finden ihren Platz in der Modebranche!“
S. Hinz



